Warum stocken neue Kanäle in der Fertigung?
Das ERP eines Herstellers ist um die Fabrik herum gebaut. Es enthält Fertigungsaufträge, Stücklisten, Bestände und die Händlerpreislisten, mit denen Distributoren fakturiert werden. Das MES (Manufacturing Execution System) steuert auf dieser Basis die Fertigung, und das PLM-System (Product Lifecycle Management) liefert die Produktdefinitionen.
Direktvertrieb oder der Verkauf in einem neuen Land verlangt Dinge, für die dieses ERP nie konfiguriert wurde. Endkunden erwarten eigene Preise, Bestellungen einzelner Stücke, Kartenzahlung und Lieferung innerhalb weniger Tage. Neue Märkte bringen eigene Währungen, Mehrwertsteuerregeln und Sprachen mit, oft auch einen lokalen Spediteur oder 3PL (Third-Party-Logistics-Dienstleister).
Ein Wunsch nach E-Commerce für Hersteller kommt bei der IT also als Wunsch an, das ERP zu ändern. Er reiht sich hinter alles ein, was das ERP bereits für die Fabrik leistet, und niemand will das System gefährden, das die Produktion am Laufen hält.
Bedeutet Direktvertrieb, das ERP der Produktion zu ändern?
Ein Direct-to-Consumer-Kanal (D2C) braucht Daten, die das ERP bereits hat: Produkte, Bestände und Preise, dazu einen Ort, an den Bestellungen gehen. Nur die Form dieser Daten ändert sich, und dieser Unterschied lässt sich zwischen ERP und Kanal auffangen statt im ERP selbst.
Viele Hersteller gehen einen von zwei bekannten Wegen. Sie erweitern das ERP um Kundentypen für Endkunden, Webauftragsarten und zusätzliche Felder, oder sie lassen einen Entwickler eine direkte Verbindung vom ERP zum Webshop bauen. Beides funktioniert für den ersten Kanal, und wer es baut, kennt das ERP meist gut. Doch jede Anpassung liegt im Upgrade-Pfad des ERP, und jede direkte Verbindung muss für den nächsten Kanal neu gebaut werden.
Manche Hersteller wollen das stattdessen im ERP-Projekt lösen. Integrationen sind in ERP-Projekten oft das, was sich verzögert, weil sie zuletzt geplant werden. Liegen sie in einer eigenen Schicht, wartet der neue Kanal nicht auf das ERP-Projekt, und das ERP-Projekt muss den Kanal nicht mittragen.
Die Herausforderungen eines neuen Marktplatzes oder Landes ohne Integrationsschicht
Der erste Kanal macht die meiste Arbeit, und der nächste sollte nicht wieder bei null anfangen. Doch jeder Marktplatz und jedes neue Land bringt eigene Regeln mit. Marktplätze bewerten Händler nach korrekten Beständen und pünktlicher Versandbestätigung. Grenzüberschreitender Verkauf bringt Währungen, Steuerregeln, übersetzte Produktinhalte und lokale Lieferpartner ins Spiel.
Hat jeder Kanal seine eigene direkte Verbindung zum ERP, landet jede dieser Regeln in einem weiteren Stück individuellem Code, gepflegt von dem, der es gebaut hat. Die internationale Expansion wird dann zu einer Reihe von Projekten, jedes mit eigener Entwicklungszeit und eigenem Risiko für das ERP. Dasselbe Muster bremst die internationale E-Commerce-Expansion in jedem Unternehmen.
E-Commerce für Hersteller bringt noch ein weiteres Problem mit sich: die Fabrik. Bestellungen kommen aus jedem Kanal in einem anderen Format, sodass die Produktionsplanung mit mehreren Auftragsströmen statt mit einem Auftragsbuch arbeitet. Ein Omnichannel-Vertrieb wird so zum Planungsproblem, es sei denn, die Kanäle teilen sich eine Integrationsschicht.








