Wie Fertigungsunternehmen ihre Systeme zwischen Cloud und On-Premise aufteilen
Die Fertigungsindustrie ist der Sektor, in dem On-Premise nie verschwunden ist. Zwar ist die Cloud heute der Standard für neue Implementierungen, doch die installierte Basis lokaler Systeme in Werken, regulierten Produktionsumgebungen und der Verteidigungsindustrie bleibt groß und ist meist eine bewusste Entscheidung. Die meisten Fertigungsunternehmen wählen daher nicht zwischen den beiden Optionen. Sie nutzen bereits beides und entscheiden nun, was als Nächstes migriert wird.
Die Aufteilung folgt meist einem klaren Kriterium: Wie kritisch ist die Verfügbarkeit des Systems bei einem Netzwerkausfall? Produktionsplanung, Maschinensteuerung, Qualitätskontrollen und Lagerverwaltung bleiben nah an der Fertigung. Konzernfinanzen, Bedarfsplanung, Analysen, Kundenportale und zunehmend KI-Workloads laufen in der Cloud, wo Rechenleistung elastisch ist und der Zugriff nicht an ein Gebäude gebunden ist.
Diese Aufteilung ist technisch sinnvoll. Doch genau hier entstehen die Probleme, da die beiden Systemwelten separat angeschafft wurden, unterschiedliche Formate sprechen und nie einen gemeinsamen Verantwortlichen hatten.
Warum behalten Fertigungsunternehmen Produktionssysteme On-Premise?
Eine Stunde Produktionsstillstand kostet mehr als jede Lizenzersparnis durch eine Cloud-Migration. Diese Kalkulation – nicht etwa bloße Vorsicht – ist der Grund, warum kritische Systeme im Haus bleiben. Die Argumentation lässt sich in drei Punkte unterteilen.
Der erste Punkt ist die Latenz. Eine Planungs- oder Steuerungsentscheidung direkt an der Maschine kann nicht auf einen Roundtrip zu einer Region warten, die hunderte Millisekunden entfernt ist. Der zweite Punkt ist die Autonomie: Ein Werk muss auch bei einem WAN-Ausfall weiter produzieren können, was jede Abhängigkeit von einer externen Verbindung ausschließt. Der dritte Punkt ist die Regulierung, da Produktions- und Qualitätsaufzeichnungen in regulierten Sektoren Aufbewahrungs- und Nachweispflichten unterliegen, die lokal einfacher zu erfüllen sind.
Hinzu kommen getätigte Investitionen in funktionierende Systeme. Ein Teil dieser Infrastruktur ist eher Gewohnheit als Notwendigkeit, und die echten Anwendungsfälle sind heute seltener als noch vor fünf Jahren. Dennoch sind viele davon nach wie vor real.
Was gewinnen Fertigungsunternehmen durch die Verlagerung von Planung und Analysen in die Cloud?
Der größte Gewinn ist die Vergleichbarkeit über Standorte hinweg. Wenn jedes Werk aus seiner eigenen lokalen Instanz berichtet, wird eine konzernweite Frage zu Ausstoß, Ausschuss oder Marge pro Linie zu einer mühsamen Abgleichaufgabe statt zu einer einfachen Abfrage.
Der zweite Gewinn ist die elastische Rechenleistung. Bedarfsplanung, Szenariomodellierung und Qualitätsanalysen sind Workloads mit Lastspitzen, die den Großteil des Monats ungenutzt bleiben – genau das, was starre lokale Hardware schlecht bewältigt. Der dritte Vorteil ist, dass Upgrades keine Projekte mehr sind, die mühsam um Produktionsfenster herum geplant werden müssen.
Auch KI gehört in diese Kategorie, wenn auch nicht als Hauptgrund. Modelle benötigen standortübergreifende, konsistent strukturierte historische Daten über Jahre hinweg. Das ist primär ein Datenproblem, kein Modellproblem – weshalb Fertigungsunternehmen, die auf KI setzen, meist zuerst ihre Datenschicht migrieren.
Warum driften lokale und Cloud-Systeme in separate Silos ab?
Niemand ist für den Datenverkehr zwischen ihnen verantwortlich. Die Werks-IT verwaltet das, was im Gebäude läuft, die Konzern-IT das, was in der Cloud läuft, und die Datenflüsse dazwischen gehören demjenigen, der die letzte Verbindung eingerichtet hat.
Was diese Lücke füllt, ist bekannt: Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Systempaaren, die jeweils von unterschiedlichen Personen zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben wurden. Ein nächtlicher Dateitransfer, den niemand überwacht, bis die Datei fehlt. Eine Excel-Tabelle, in der jemand jeden Montag den Werksausstoß mit dem Konzern-Reporting abgleicht. Das Symptom sind zwei Versionen der Wahrheit, bei denen der Werksleiter und der Betriebsleiter unterschiedliche Produktionszahlen aus Systemen zitieren, von denen beide überzeugt sind, dass sie korrekt sind.
Das Problem zu beheben bedeutet, diese Abläufe als eine Komponente mit einem Verantwortlichen zu betrachten, statt als eine Ansammlung von Zufällen. Die Kosten fallen vor dem Nutzen an – das ist der Punkt, bei dem man ehrlich sein muss. Was man dafür zurückbekommt, ist der Wegfall manueller Prüfungen und die Gewissheit, dass eine Änderung an der einen Stelle nicht unbemerkt etwas an der anderen beschädigt.








